Liebe Kolleginnen und Kollegen,
auf Einladung der Initiative „Stoppt die e-Card“ fand am Mittwoch dieser Woche eine Tagung in Berlin statt, bei der ich – als erklärte Kritikerin der Elektronischen Gesundheitskarte (eGK) – selbst dabei war. Ich war beeindruckt von der informativen Veranstaltung und den Vorträgen der Experten, die einiges an Sprengkraft hatten.
So hat Prof. Dr. Hartmut Pohl, Sprecher des Präsidiumsarbeitskreises „Datenschutz und IT-Sicherheit“ der Gesellschaft für Informatik (GI) absolut überzeugend dargestellt, dass die Online-Speicherung sensibler Patientendaten mit großen Risiken verbunden ist. „Die Daten sind komplett unsicher“, so seine Einschätzung als Datenschutzexperte. Vor allem in der Verbindung von Patientendaten und anderen personenbezogenen Daten, die im Internet auf diversen Servern zur Verfügung stehen – man denke nur an Online-Banking und Online-Shopping – ergibt sich für die Zukunft ein Bild vom gläsernen Menschen, das entsprechenden Horror-Szenarien aus Science Fiction-Filmen erschreckend nah kommt.
Dass es auch für uns Ärzte im Zuge der Digitalisierung im Gesundheitswesen wenig zu gewinnen gibt, hat unser österreichischer Kollege Dr. Christian Euler, Präsident des österreichischen Hausärzteverbands, im Rahmen der Tagung aufgezeigt. So müssen unsere Kollegen in Österreich Euler zufolge beispielsweise zunächst auf die elektronische Freigabe der jeweiligen Krankenkasse warten, bevor sie einem Patienten eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ausstellen dürfen. An dieser Stelle wird die elektronische Anbindung unserer Praxen zu einer – mehr oder weniger – langen Leine, an der uns die Krankenkassen führen wollen. Meiner Meinung nach ist dies ein massiver Eingriff in die freie Ausübung des Arztberufs!
Neben diesen beiden Vorträgen gab es noch viele weitere aufschlussreiche Statements. Mein persönliches Fazit zur Tagung: Aufgrund der auf dem Kongress beschriebenen Risiken betrachte ich es als unsere Pflicht, Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch weiterhin auf die mit der eGK verbundenen Gefahren hinzuweisen. Gleichzeitig versuchen wir bei den politischen Entscheidungsträgern ein Umdenken zu erreichen, so dass der weitere Einsatz dieses teuren – und für unser vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis zerstörerischen – elektronischen Mediums doch noch gestoppt wird. Denn unsere Patienten brauchen keine elektronischen „Fußfesseln“ ihrer Krankenkasse, sondern ihre Ärzte!
Viele Grüße
Ihre Ilka Enger (für den Vorstand der KVB)
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