Ersatzkassen stricken die Mär von der Überversorgung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Zahlenspiele auf Kosten der Patienten“ lautet die Überschrift eines gestern im Bayern-Teil der Süddeutschen Zeitung erschienenen Artikels (Onlinefassung). Thema ist eine aktuelle Publikation der Landesvertretung Bayern des Verbandes der Ersatzkassen (vdek). In dem „Ersatzkassen-Report“ wird auf der Basis einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK eine ärztliche Überversorgung praktisch in ganz Bayern behauptet. Aus unserer Sicht haben die Aussagen aus dem Ersatzkassen-Report mit der Realität nichts zu tun. Selbst in Großstädten wie München wird in den Medien immer wieder über partielle Lücken in der ärztlichen Versorgung berichtet, noch viel häufiger sind solche Berichte aus den ländlichen Regionen.

Zwar ist die ambulante ärztliche Versorgung im Freistaat im Großen und Ganzen sichergestellt, doch gibt es immer wieder regionale Brennpunkte, an denen nur mit großem Engagement vieler Beteiligter und beispielsweise auch finanziellen Fördermaßnahmen eine ärztliche Präsenz gewährleistet werden kann. Hinzu kommt, dass sich die Form der Berufsausübung im ärztlichen Bereich wandelt. So nehmen die Teilzeit- und Angestelltentätigkeiten sowie die Spezialisierung in der vertragsärztlichen Versorgung zu. Das sorgt eher für einen höheren Bedarf an ärztlicher Arbeitskraft, als dies bislang der Fall ist.

Was uns an der Publikation des Ersatzkassenverbandes besonders stört: Diese geht in keiner Form auf die besonderen ambulanten Versorgungsstrukturen ein, die wir in Bayern auch gemeinsam mit den Krankenkassen etabliert haben. So werden zahlreiche Untersuchungsmethoden und Operationen hier flächendeckend ambulant durchgeführt, die in anderen Bundesländern oft nur stationär in Kliniken zu gewährleisten sind. Dass dies dann zu einem größeren Bedarf an Ärzten im ambulanten Bereich führt, versteht sich von selbst. Und was die Verteilung der Ärzte in den einzelnen Städten und Landkreisen angeht, sind die Krankenkassen über die Zulassungsausschüsse aktiv in die Zulassung und Ermächtigung von Ärzten für die vertragsärztliche Versorgung mit eingebunden. Hier hätten sie direkte Einflussmöglichkeiten, wenn es die von ihnen behauptete Überversorgung wirklich geben würde.

Der Artikel der Süddeutschen Zeitung zeigt allerdings auch, dass der Ersatzkassenverband mit seiner Mär von der Überversorgung allein auf weiter Flur steht. Denn neben mehreren Ärzteverbänden kommt auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml zu Wort. Sie weist die Aussagen der Ersatzkassen als zu pauschal zurück und wird in dem Artikel so zitiert: „In einer älter werdenden Gesellschaft werden wir auch in Zukunft mehr Ärzte brauchen.“ Eine Erkenntnis, die hoffentlich eines Tages auch den Vertretern der Ersatzkassen zu teil werden wird.

Ihr Vorstand der KVB

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Krankenhausreform im Kreuzfeuer der Kritik

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Prüfung von Verordnungen: Replik auf die Kritik der Krankenkassen

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Presseinformation der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern (ARGE) vom 1. Juli 2015 bezüglich der Notwendigkeit von Wirtschaftlichkeitsprüfungen kann aus unserer Sicht nicht unkommentiert stehen bleiben. Aufgrund der aggressiven Reaktion der ARGE gehen wir davon aus, mit unserem Blog-Beitrag zum Thema Aufwand und Ertrag des Prüfgeschäfts bei den Krankenkassen einen wunden […]

Aufwand und Ertrag des Prüfgeschäfts

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