Terminservicestellen kaum nachgefragt – bittere Erkenntnis für die Politik

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ein Satz des SPD-Gesundheitspolitikers Professor Dr. Karl Lauterbach, den er am 26. September in der ARD-Sendung „hart aber fair“ zum Thema Terminservicestellen tätigte, hat es nicht umsonst als Zitat des Monats in die aktuelle Ausgabe unseres Mitgliedermagazins KVB FORUM geschafft: „Ich war an vielen Gesetzen beteiligt, aber das hier war ein Flop.“

Herr Lauterbach hat in der Sendung dann auch noch aus seiner Sicht geschildert, warum die Terminservicestellen letztendlich gefloppt seien. Zum einen hätte man diese nicht bei den KVen ansiedeln dürfen. Zum anderen bemängelte Lauterbach wieder einmal die Koexistenz von privater und gesetzlicher Krankenversicherung, um die von ihm favorisierte „Bürgerversicherung“ erneut ins Gespräch zu bringen.

Beide Punkte lassen sich entkräften. Erstens haben wir mit der Terminservicestelle in Bayern eine für Patienten und Ärzte unbürokratische telefonische Lösung geschaffen. An fünf Tagen pro Woche sind kompetente Mitarbeiter unserer Tochterfirma Gedikom für die Terminvermittlung erreichbar. Und jede der eingegangenen Terminanfragen ließ sich bislang erfolgreich an einen niedergelassenen Arzt vermitteln – kein Patient musste an ein Krankenhaus weiterverwiesen werden. Den Betrieb der Terminservicestelle haben wir also im Griff.

Zweitens sind die Terminservicestellen kein Argument FÜR die Bürgerversicherung, sondern DAGEGEN. Die geringe Inanspruchnahme der Terminservicestellen beweist doch, dass es die von einigen Politikern propagierte „Zwei-Klassen-Medizin“ nicht gibt und dass die Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten im ambulanten Bereich ausgezeichnet funktioniert.

Zum Beweis: Zwischen 25. Januar und 30. September gab es bei unserer Servicestelle nur 1.978 Terminanfragen, die überhaupt einen gesetzlichen Anspruch auf eine Vermittlung innerhalb von vier Wochen hatten. Der Großteil der insgesamt 5.458 vermittelten Termine war nicht dringend.

Besonders ärgerlich: Laut einer Gedikom-Umfrage unter rund 450 bayerischen Praxen nahm jeder vierte Patient den von der Servicestelle vermittelten Termin nicht wahr. Diese Umfrage mag vielleicht nicht repräsentativ sein, sie lässt aber doch gewisse Rückschlüsse zu.

Wir haben seit der Einführung der Terminservicestellen darauf hingewiesen, dass es sich hier um ein Scheinproblem handelt, dessen Lösung Ressourcen verschlingt, die sinnvoller in eine Verbesserung der tatsächlichen Versorgung investiert wären. Die aktuellen Auswertungen bestätigen nur unsere damalige Einschätzung.

Ihr Vorstand der KVB

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