Telemedizin darf kein Selbstzweck sein

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ein großer Erfolg mit vielen interessanten Impulsen für die tägliche Arbeit war der von unserem hausärztlichen Kollegen Dr. Siegfried Jedamzik Anfang März in Ingolstadt ausgerichtete 1. Bayerische Tag der Telemedizin. Leider hat auf Grund der vielen Probleme rund um die Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte das Thema Telemedizin, das sich grundsätzlich positiv entwickelt hat, innerhalb der Ärzteschaft etwas gelitten. Insofern sind aus unserer Sicht solche Veranstaltungen wie Anfang März in Ingolstadt wichtig, um hier ein besseres Verständnis für die Chancen, aber auch Risiken des Einsatzes moderner IT in der medizinischen Versorgung zu schaffen.

In der praktischen Anwendung waren dabei sicher die von den großen Universitäten vorgestellten (Modell-) Projekte am beeindruckendsten. Beispielsweise stellte Professor von Scheidt aus Augsburg eine Möglichkeit der raschen Hilfe beim Herzinfarkt durch Telemedizin aus dem Krankenwagen vor. Und Dr. Schröder aus Regensburg demonstrierte elektronenmikroskopische Telepathologie via Internet. Es ist aber davon auszugehen, dass die modernen IT-Lösungen immer stärker auch in den Praxen der niedergelassenen Ärzte Anwendung finden, wenn sie denn wirklich eine Unterstützung der ärztlichen Tätigkeit bieten können.

Als Vertreter des Vorstands der KVB konnte ich bei dem Telemedizintag durchaus auch die kritischen Aspekte dieser Thematik beleuchten. Das beginnt bei dem aus meiner Sicht nicht ganz glücklich gewählten Begriff Telemedizin – denn es handelt sich dabei ja nicht um eine eigene Medizinsparte, sondern lediglich um Werkzeuge zur Vereinfachung unserer ärztlichen Tätigkeit. Auch hier gilt wieder einmal: Dank moderner IT, wie zum Beispiel Apps zur individuellen Klärung des Gesundheitszustands, lässt sich der Informationsstand des Patienten verbessern – das fachliche Know-how, die Fähigkeiten und die Menschenkenntnis des einzelnen Arztes sind jedoch durch nichts zu ersetzen. Ein weiterer kritischer Punkt ist aus meiner Sicht die Gefahr, sich im Bereich der Telemedizin zu verzetteln: Nicht alles, was IT-technisch möglich wäre, bringt auch einen echten Zusatznutzen in der Versorgung. Mir scheinen die Innovatoren in der Branche sich derzeit noch zu wenig am Bedarf und stattdessen zu sehr daran zu orientieren, was für die Herstellerfirmen den höchsten Umsatz verspricht. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Schließlich muss, was die Anwendung der IT-Lösungen in den Praxen angeht, eines ganz klar sein: Finanziert werden kann dies nicht aus dem bestehenden Honorartopf. Wenn substantielle Verbesserungen zu erreichen sind, dann sollte es auch im Interesse der Krankenkassen sein, dafür zusätzliche Mittel bereitzustellen.

Weitere spannende Diskussionsbeiträge bezogen sich unter anderem auf den Datenschutz und die Informationssicherheit. In drei interessanten Workshops kamen dabei viele unterschiedliche Ansatzpunkte zur Sprache. So machte der Bayerische Datenschutzbeauftragte klar, dass die rechtlichen Grundlagen für die Datenverarbeitung sich niemals in der zeitlichen Taktung ändern ließen, wie dies bei den IT-technischen Innovationen derzeit der Fall ist. Dabei könne es keine Nutzung der Daten ohne eine entsprechende Legitimation durch den Patienten geben.

Ich habe vom 1. Bayerischen Tag der Telemedizin den positiven Eindruck mitgenommen, dass sich die Beteiligten allesamt ihrer Verantwortung bewusst sind und dass solche Veranstaltungen ein besseres Bewusstsein dafür schaffen können, was technisch möglich und zugleich einer wirklichen Verbesserung der Patientenversorgung zuträglich ist.

Dr. Wolfgang Krombholz
für den Vorstand der KVB

 

Ein Gedanke zu „Telemedizin darf kein Selbstzweck sein

  1. Michael Franz

    Telemedizin ist auf jeden Fall ein sehr interessantes Feld. Es gehört zu den Dingen, nach denen mehr geforscht werden MUSS. Ich verstehe nicht, wie man Millionen in Rüstung und anderes stecken kann und hier so hinterherhinkt.

    Grüße aus dem Westen Ingolstadts

    Michael Franz

    Antworten

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